„Rosenkavalier“ in neuer Kaufausgabe

„Der Rosenkavalier“ zum ersten Mal in einer Kaufausgabe erhältlich

Diese kritisch-praktische Ausgabe vereint die Erfahrungen dreier führender Strauss-Opernhäuser aus einem Jahrhundert Aufführungspraxis.

Rosenkavalier Material

Ausstattung

In höchster Satzqualität und im Offset-Druck liegen folgende Materialien als hardcover (Buckram) mit Fadenheftung vor:

  • Dirigierpartitur (in drei großformatigen Bänden)
  • Studienpartitur (in einem Band)
  • Klavierauszug
  • Orchesterstimmen (softcover)
  • Chorauszug (softcover)
  • Bühnenmusik
  • Libretto

Unser Material ist voll mit dem Erstdruck kompatibel – die originalen Studierziffern wurden übernommen und zusätzlich Taktzahlen ergänzt.

Die neue Ausgabe

Für diese ausdrücklich praktisch orientierte Ausgabe wurden zunächst die vorhandenen Aufführungsmateriale der drei Opernhäuser in Berlin (Staatsoper), Dresden und München ausgewertet. Sämtliche handschriftliche Eintragungen/Korrekturen aus historischen Proben und Aufführungen wurden in den Scans markiert und in einer Synopse verifiziert. Dieses Verfahren mündete in sogenannte Superparts, als Abbild dessen, was seit der Uraufführung sich musikalisch etabliert hatte. Gegen dieses Ergebnis wurde dann die Partitur korrigiert. Selbstverständlich wurden auch Korrekturen, die ausschließlich in der Partitur vermerkt waren, berücksichtigt.
Editorische Entscheidungen sind als Annotationen in den PDF-Dateien dokumentiert. Anders als ein konventioneller kritischer Bericht sind diese digital durchsuchbaren Scans einfach zu handhaben und zeigen sämtliche editorische Entscheidungen unmittelbar am Notentext. Ein tagging-System erlaubt zudem Abfragen nach eigenen Suchkriterien. Im Februar 2020 kam das Orchestermaterial zum ersten Mal zum Einsatz: In der Inszenierung von André Heller und unter der Leitung von Zubin Mehta feierte der „Rosenkavalier“ Premiere an der Staatsoper Unter der Linden.

Zum Werk

Strauss Signatur

Strauss‘ Signatur

Mit „Salomé“ und „Elektra“ waren Strauss bereits veritable künstlerische wie kommerzielle Erfolge gelungen, seine neueste Oper sollte diese Erfolge aber noch bei Weitem übertreffen. Der „Rosenkavalier“ war in aller Munde; die Berliner fuhren mit Sonderzügen nach Dresden, und das Werk festigte dauerhaft seinen Platz in den Spielplänen weltweit: Noch heute, mehr als 100 Jahre nach der Uraufführung, zählt die „Komödie für Musik“ (so der Untertitel) zu den meistgespielten Opern. Strauss hatte das Libretto von Hugo von Hofmannsthal und Harry Graf Kessler in Windeseile vertont: Die Autoren hatten mit dem Text im Frühjahr 1909 begonnen und keine zwei Jahre später, im Januar 1911 kam die Oper bereits auf die Bühne. In dieser Zeit schrieb Strauss nicht nur dreieinhalb Stunden dichte Orchestermusik mit Chor und großem Solistenensemble, sondern erstellten auch Kopisten, Stecher, Lektoren und Drucker in Berlin und Paris fieberhaft und parallel über 500 Seiten Partitur und mehr als 1500 Seiten Orchesterstimmen. Laut Autograph komponierte Strauss den ersten Akt von Oktober bis Dezember 1909, Akt 2 von Januar bis April und den dritten Akt von Juli bis 26. September 1910. Die gedruckte Partitur wurde am 19. November 1910 vom Verlagshaus Fürstner an die Staatskapelle in Dresden übergeben, nur zwei Monate vor der Premiere!

Fürstner hat in letzter Minute die Ausgabe noch für den internationalen Markt vorbereitet: Alle Tempoangaben wurden zweisprachig (dtsch./ital.) gestochen und gelegentlich Metronom-Angaben ergänzt. Beides findet sich weder im Autograph noch in der Stichvorlage. Der Zeitdruck wird an manchen Details deutlich, z. B. im zunehmenden Mangel an dynamischen Angaben im dritten Akt. Erstaunlicherweise hat die grafische Qualität nicht gelitten – diese ist von der ersten bis zur letzten Seite state-of-the-art. Der Notenstich der Partitur und der Streicherstimmen (die Harmoniestimmen wurden handkopiert) stammt von der Graphischen Anstalt C.G. Röder, Leipzig. Wie groß die Eile gewesen sein muss, belegt noch ein Detail: die von Strauss im Eifer mitvertonte Regieanweisung „discret, vertraulich“, gelangte vom Autograph über die Stichvorlage – von jedem Lektorat übersehen – bis in den Druck.

Dass unter diesen Umständen nur einige hundert Fehler in den Materialien stehen geblieben waren, ist tatsächlich erstaunlich. So begann die Korrektur schon während der Proben zur Uraufführung, die Ernst von Schuch leitete und von denen auch einige Strauss selbst übernahm. Während der zahlreichen Aufführungen kamen weitere Korrekturen zusammen.

Clemens Krauss bemängelt in den 30er Jahren das Ausmaß der Fehler und reklamiert eine Korrektur, die dann in einen Reprint bei Kalmus eingeflossen ist.

Frontispiz der Kalmus-Ausgabe

Leider ist diese Revision nicht dokumentiert, aber ein Abgleich dieser Ausgabe mit dem Erstdruck fällt eher enttäuschend aus, da er kaum neue Erkenntnisse liefert.